Walther


Walther
Wạlther,
 
1) Franz Erhard, Künstler, * Fulda 22. 7. 1939; lehrt seit 1970 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Walther begründete ein neues Konzept der Plastik als Handlungsform, wobei das Werkstück nicht mehr als Objekt, sondern als Instrument für körperliche Aktionen verstanden wird. Nach »Buchwerken« und anderen Arbeiten aus Papier entwickelte Walther ab 1963 den aus 58 auffaltbaren Tuchobjekten bestehenden 1. Werksatz (1969/70 abgeschlossen). 1972 lag der 2. Werksatz aus 45 Tuchbahnen (»Schreitstücke« für freies Gelände) vor, es folgten, teils aus Metall, »Schreit- und Standstücke« (1973-78) und »40 Sockel. Schritte seitwärts« (1978). Ab 1979 schuf er »Wandformationen« aus Segeltuch, in die er sich selbst bei Aktionen als Skulptur einbrachte. In jüngster Zeit entstanden aus Baumwollstoff gefertigte Nachbildungen von Räumen. Walther begleitet seine Prozesskunst mit zahlreichen Zeichnungen und Schriften. Als Architekt trat er mit dem Entwurf für die Kunsthalle (1992) in Klagenfurt hervor.
 
 
F. E. W. Zeichnungen - Werkzeichnungen 1957-1984, Ausst.-Kat. (1989);
 
Das Haus in dem ich wohne. Die Theorie zum Werkentwurf von F. E. W., hg. v. M. Lingner (Klagenfurt 1990);
 
F. E. W., bearb. v. S. Lange (1991);
 
F. E. W., Antwort der Körper, hg. v. R. Damsch-Wiehager, Ausst.-Kat. Galerie Villa Merkel, Esslingen, 3 Tle. (1993);
 
F. E. W. - Stirn statt Auge. Das Sprachwerk, hg. v. S. Richardt (1997).
 
 2) Joachim, Schriftsteller, * Chemnitz 6. 10. 1943; war Lehrer, Verlagslektor, Redakteur in Berlin (Ost), hatte mehrmals Schwierigkeiten mit der Zensurbehörde der DDR, seit 1983 freischaffender Schriftsteller. Sein Jugendroman »Ich bin nun mal kein Yogi« (1975; verfilmt unter dem Titel »Und nächstes Jahr am Balaton«, 1980) gibt authentisch das Lebensgefühl der Jugend der DDR wieder, auch die Erzählungen (»Stadtlandschaft mit Freunden«, 1978) spiegeln, zum Teil satirisch, die genau beobachteten Alltagsprobleme. Historischen Stoff nutzte er in dem Roman »Bewerbung bei Hofe« (1982; über den Dichter J. C. Günther), um das Verhältnis von Macht und Literatur zu durchleuchten. Walther ist auch profilierter Hörspielautor. Verdienste erwarb er sich mit der gründlichen Aufarbeitung der die Schriftsteller betreffenden Staatssicherheitsakten (»Sicherungsbereich Literatur«, 1996).
 
Weiteres Werk: Roman: Risse im Eis (1989).
 
 3) Johann Gottfried, Komponist, Musiktheoretiker und Musiklexikograph, * Erfurt 18. 9. 1684, ✝ Weimar 23. 3. 1748; war ab 1702 Organist in Erfurt, ab 1707 Stadtorganist in Weimar und Musiklehrer des Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar (* 1696, ✝ 1715). Mit J. S. Bach stand er bis zu dessen Weggang aus Weimar (1717) in enger persönlicher und musikalischer Verbindung. Walther komponierte fast ausschließlich für Tasteninstrumente, v. a. Choralbearbeitungen nach dem Vorbild J. Pachelbels, daneben Präludien, Fugen und Toccaten sowie Bearbeitungen italienischer Konzerte für Orgel. Bedeutend sind seine »Praecepta der musicalischen Composition« (handschriftlich 1708, Buchausgabe 1955) und sein »Musical. Lexicon« (1732), das erste Musiklexikon in deutscher Sprache, das auch Personenartikel enthält.
 
Ausgabe: Briefe, hg von K. Beckmann u. a. (1987).
 
 
O. Brodde: J. G. W. 1684-1748. Leben u. Werk (1937).
 
 4) Johannes, Geologe, * Neustadt an der Orla 20. 7. 1860, ✝ Berlin 10. 5. 1937; wirkte ab 1892 als Professor in Jena, 1906-29 in Halle (Saale). Als vielseitiger Forscher hatte Walther besonders Verdienste um die Wüstenforschung, Meeresgeologie, Sedimentologie und Paläoökologie.
 
Werke: Allgemeine Meereskunde (1893); Einleitung in die Geologie als historische Wissenschaft, 3 Teile (1893-94); Das Gesetz der Wüstenbildung in Gegenwart und Vorzeit (1900); Geschichte der Erde und des Lebens (1908); Lehrbuch der Geologie von Deutschland (1910); Allgemeine Palaeontologie, 2 Teile (1919-20); Mediterranis (1936).
 
 
I. Seibold: Der Weg zur Biogeologie. J. W.. .. (1992).
 
 5) Pan, Fotograf, * Dresden 10. 11. 1921, ✝ Bangkok 14. 11. 1987; Ausbildung als Fotograf in Den Haag und in Dresden, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg ein Atelier gründete und im Auftrag des Denkmalpflegeamtes die Reste historischer Bausubstanz dokumentierte; 1950 übersiedelte er nach Westfalen und eröffnete 1951 ein Atelier in Münster; lehrte ab 1954 an der Höheren Fachschule für Fotografie in Köln, ab 1963 an der Werkkunstschule in Dortmund. Er trat besonders mit Porträts von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (u. a. O. Dix, J. Hegenbarth), mit Landschaftsfotografien und im Rahmen seines Spätwerks mit inszenierter Fotografie zu Gegenwartsproblemen hervor. Walther war auch als Lehrer einflussreich.
 
 
P. W., der Lichtbildner, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund (1986);
 
P. W. Photographien, bearb. v. G. Jäger u. a., Ausst.-Kat. Kupferstich-Kabinett, Dresden (1997).

Universal-Lexikon. 2012.


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